PKV mit Familie und Kindern: Was Sie vor der Entscheidung wissen sollten

Stand: 29. September 2026 · Rechtsstand: § 10 SGB V (Familienversicherung), § 198 VVG (Kindernachversicherung), § 257 SGB V (Arbeitgeberzuschuss), § 19 MuSchG · Rechengrößen 2026: JAEG 77.400 €, Bezugsgröße 3.955 €/Monat, Minijob-Grenze 603 €

Kurz gesagt: In der privaten Krankenversicherung zahlt jede Person ihren eigenen Beitrag – eine beitragsfreie Familienversicherung wie in der GKV gibt es nicht. Ob das teurer ist, hängt an einer einzigen Regel: Bei verheirateten oder verpartnerten Eltern gilt: Verdient der nicht gesetzlich versicherte Elternteil regelmäßig mehr als der gesetzlich versicherte und liegt sein Einkommen über einem Zwölftel der Versicherungspflichtgrenze (2026: 6.450 Euro im Monat), dürfen die Kinder nicht beitragsfrei in der GKV mitversichert werden (§ 10 Abs. 3 SGB V); bei unverheirateten Eltern greift die Regel nicht. Dann kosten sie Beitrag – freiwillig in der GKV nur, wenn das Kind oder der gesetzlich versicherte Elternteil die Vorversicherungszeit erfüllt (24 Monate in den letzten fünf Jahren oder zwölf Monate unmittelbar davor) und der Beitritt binnen drei Monaten nach der Geburt angezeigt wird (§ 9 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 Nr. 2 SGB V), sonst in der PKV, dort meist weniger. Neugeborene muss der PKV-Versicherer eines Elternteils ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten aufnehmen, wenn die Anmeldung spätestens zwei Monate nach der Geburt erfolgt (§ 198 Abs. 1 VVG); eine vertraglich vereinbarte Mindestversicherungsdauer des Elternteils darf höchstens drei Monate betragen (§ 198 Abs. 3 VVG). Der Arbeitgeber beteiligt sich auch an den Beiträgen der Kinder. Der wunde Punkt ist die Elternzeit: Die PKV-Beiträge laufen weiter, der Arbeitgeberzuschuss fällt weg (im Lebensszenarien-Check durchrechnen) – das gehört vor der Entscheidung in die Familienrechnung.

Die Frage „PKV oder GKV“ wird für Paare mit Kinderwunsch zu einer Familienfrage. Was als Single günstig und leistungsstark war, kann mit zwei Kindern und Elternzeit anders aussehen – oder auch nicht. Dieser Beitrag erklärt die Regeln, die tatsächlich gelten, mit Zahlen für 2026, und zeigt, in welchen Konstellationen die PKV für Familien funktioniert und in welchen nicht.

Der Grundsatz: Jeder zahlt seinen eigenen Beitrag

Die gesetzliche Krankenversicherung kennt die Familienversicherung: Ehepartner und Kinder sind beitragsfrei mitversichert, solange ihr eigenes Einkommen 2026 regelmäßig 565 Euro im Monat (ein Siebtel der Bezugsgröße) beziehungsweise bei Minijobs 603 Euro nicht übersteigt (§ 10 Abs. 1 SGB V). Die private Krankenversicherung kennt das nicht. Jede versicherte Person hat einen eigenen Vertrag mit eigenem Beitrag – der Vater, die Mutter, jedes Kind.

Das ist der Kern des Kostenvergleichs. Bei einer vierköpfigen Familie mit einem gut verdienenden Elternteil in der PKV und einem Elternteil mit geringem Einkommen können drei zusätzliche Beiträge anfallen – oder keiner, je nachdem, wer in welchem System ist und wie viel verdient.

Die entscheidende Regel: Wann Kinder nicht in die GKV-Familienversicherung dürfen

Viele Paare planen so: Ein Elternteil ist privat versichert, der andere gesetzlich, und die Kinder laufen beitragsfrei über den gesetzlich versicherten Elternteil mit. Das funktioniert – aber nur, wenn die Ausschlussregel des § 10 Abs. 3 SGB V nicht greift. Kinder sind von der Familienversicherung ausgeschlossen, wenn der Elternteil, der nicht Mitglied der GKV ist, beide Bedingungen erfüllt:

  • Sein Gesamteinkommen übersteigt regelmäßig ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze, 2026 also 6.450 Euro im Monat, und
  • es ist regelmäßig höher als das Gesamteinkommen des gesetzlich versicherten Elternteils.

Beide Bedingungen müssen zusammen vorliegen. Verdient der privat versicherte Vater 8.000 Euro und die gesetzlich versicherte Mutter 3.000 Euro, sind die Kinder nicht familienversichert. Verdient er 6.000 Euro, sind sie es – weil die erste Bedingung fehlt. Verdient die gesetzlich versicherte Mutter 8.500 Euro und er 8.000 Euro, sind sie es ebenfalls – weil die zweite Bedingung fehlt. Die Regel gilt nur für verheiratete oder verpartnerte Eltern; bei unverheirateten Paaren können die Kinder über den gesetzlich versicherten Elternteil familienversichert werden, unabhängig vom Einkommen des anderen.

Konstellation (2026) Kinder beitragsfrei in der GKV?
Beide Eltern gesetzlich versichert ja
Ein Elternteil PKV mit über 6.450 €/Monat und mehr als der GKV-Elternteil (verheiratet) nein – Kinder brauchen eigene Verträge (PKV oder freiwillige GKV)
Ein Elternteil PKV mit unter 6.450 €/Monat ja, über den GKV-Elternteil
Ein Elternteil PKV, aber der GKV-Elternteil verdient mehr ja
Unverheiratete Eltern, ein Elternteil PKV ja, über den GKV-Elternteil
Beide Eltern PKV nein – jedes Kind hat einen eigenen Vertrag

Was ein Kind in der PKV kostet – und was in der GKV

Fallen die Kinder aus der Familienversicherung, haben Sie die Wahl. In der PKV bekommen Kinder eigene Tarife, die ohne Alterungsrückstellungen kalkuliert werden und deshalb vergleichsweise günstig sind; die Beiträge liegen je nach Leistungsumfang meist im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich pro Monat. In der freiwilligen GKV zahlt ein Kind ohne eigenes Einkommen den Mindestbeitrag: 2026 wird mindestens ein Einkommen von 1.318,33 Euro im Monat unterstellt, daraus ergeben sich rund 231 Euro Krankenversicherung plus rund 47 Euro Pflegeversicherung, zusammen rund 278 Euro – für Leistungen auf GKV-Niveau. Die PKV ist für Kinder deshalb häufig die günstigere und leistungsstärkere Variante, sofern das Kind gesund ist oder über die Kindernachversicherung ohne Gesundheitsprüfung aufgenommen wird.

Ein wichtiger Unterschied zur Erwachsenen-PKV: Bei Kindern gibt es keinen Selbstbehalt-Zwang und keine Alterungsrückstellung, aber auch keine Beitragsbremse durch den 10-Prozent-Zuschlag – der beginnt erst mit 21. Und: Kindertarife sollten Leistungen enthalten, die Kinder brauchen – Kieferorthopädie, Sehhilfen, Logopädie, Ergotherapie, Psychotherapie ohne enge Sitzungsbegrenzung.

Die gute Nachricht: die Kindernachversicherung

§ 198 Abs. 1 VVG verpflichtet den Versicherer, ein neugeborenes Kind rückwirkend ab der Geburt ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten zu versichern, wenn am Tag der Geburt für mindestens einen Elternteil dort eine Krankenversicherung besteht und die Anmeldung spätestens zwei Monate nach der Geburt erfolgt. Eine vertraglich vereinbarte Mindestversicherungsdauer des Elternteils darf höchstens drei Monate betragen (§ 198 Abs. 3 VVG) – ob und in welcher Länge der Tarif eine solche Frist vorsieht, steht in den Versicherungsbedingungen. Der Schutz des Kindes darf nicht höher oder umfassender sein als der des Elternteils. Für adoptierte Kinder gilt Entsprechendes, wobei bei älteren Adoptivkindern ein Risikozuschlag bis zur einfachen Beitragshöhe möglich ist.

Das ist der wichtigste Vorteil der PKV für Familien: Auch ein Kind mit angeborener Erkrankung, Frühgeburt oder Behinderung wird aufgenommen – ohne Zuschlag, ohne Ausschluss. Die Zwei-Monats-Frist ist eine Ausschlussfrist; wer sie verpasst, muss das Kind mit Gesundheitsprüfung versichern. In der Praxis empfehlen wir, den Antrag in den ersten Wochen zu stellen und die Frist im Kalender zu markieren.

Der Arbeitgeberzuschuss gilt auch für die Familie

Angestellte in der PKV erhalten vom Arbeitgeber einen Zuschuss in Höhe der Hälfte des Beitrags, höchstens jedoch den Betrag, den der Arbeitgeber bei GKV-Versicherung als Arbeitgeberanteil zahlen müsste (2026: bis zu rund 509 Euro für die Krankenversicherung, dazu der Pflegeanteil). Weniger bekannt: Der Zuschuss umfasst nach § 257 Abs. 2 SGB V auch die Beiträge für Angehörige, die in der GKV familienversichert wären – also für die Kinder und einen Ehepartner ohne eigenes Einkommen. Solange die Summe der Beiträge unter der Höchstgrenze bleibt, trägt der Arbeitgeber die Hälfte auch der Kinderbeiträge.

Elternzeit: der Punkt, an dem die Rechnung kippen kann

In der Elternzeit fällt das Gehalt weg – und mit ihm der Arbeitgeberzuschuss. Der PKV-Beitrag läuft in voller Höhe weiter, ebenso der der Kinder. In der GKV ist ein pflichtversichertes Mitglied in der Elternzeit beitragsfrei versichert. Diesen Unterschied müssen Familien einplanen: Bei 500 Euro Eigenbeitrag im Berufsleben können es in der Elternzeit 800 bis 1.000 Euro für Elternteil und Kind sein, ohne dass jemand Gehalt bezieht.

Es gibt Instrumente, die das abfedern: Manche Tarife bieten eine Beitragsbefreiung oder Beitragsreduzierung während der Elternzeit für einige Monate; das Krankentagegeld kann während der Elternzeit ruhen, was den Beitrag senkt; und wer die Elternzeit plant, sollte den Beitragsentlastungs- oder Optionsbaustein des Tarifs kennen. Wichtig ist auch die Reihenfolge: Ein gesetzlich versicherter Elternteil, der die Elternzeit nimmt, ist beitragsfrei; nimmt der privat versicherte Elternteil die Elternzeit, laufen die Beiträge. Das kann bei der Aufteilung der Elternzeit eine Rolle spielen.

Schwangerschaft und Mutterschutz

Privat versicherte Angestellte erhalten Mutterschaftsgeld nicht von der Krankenkasse, sondern vom Bundesamt für Soziale Sicherung: einmalig höchstens 210 Euro (§ 19 Abs. 2 MuSchG). Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, berechnet so, als würde die Krankenkasse 13 Euro pro Tag zahlen – der Zuschuss ist damit genauso hoch wie bei gesetzlich Versicherten, nur der Kassenanteil fehlt. Für selbstständige Privatversicherte mit Krankentagegeld gilt seit 2017: Der Versicherer zahlt das Krankentagegeld auch in den Mutterschutzfristen (§ 192 Abs. 5 VVG). Die Kosten für Vorsorge, Geburt und Hebamme übernimmt die PKV nach Tarif; Wahlleistungen wie Ein-Bett-Zimmer oder Chefarzt gehören in vielen Tarifen dazu.

Beispiel: drei Familien, drei Ergebnisse

Familie Situation Ergebnis
A Er PKV, 9.000 € brutto; sie GKV, 2.500 € brutto; verheiratet; zwei Kinder Kinder nicht familienversichert (§ 10 Abs. 3). PKV-Kindertarife meist günstiger als 2 × 278 € freiwillige GKV; Arbeitgeberzuschuss auch auf Kinderbeiträge. In der Elternzeit von ihr: sie beitragsfrei; Kinder laufen bei ihm weiter.
B Sie PKV, 5.500 € brutto; er GKV, 4.000 € brutto; verheiratet; ein Kind Kind familienversichert über ihn, weil ihr Einkommen unter 6.450 €/Monat liegt. Keine Zusatzkosten für das Kind.
C Beide PKV, selbstständig; zwei Kinder Vier Beiträge, kein Arbeitgeberzuschuss, in der Elternzeit volle Beiträge. Hier muss die PKV deutlich günstiger oder leistungsstärker sein als die freiwillige GKV, sonst lohnt sie sich nicht.

Die Beispiele zeigen den Mechanismus, nicht Ihre Zahlen. Ob die PKV für Ihre Familie passt, hängt von Einkommen beider Partner, Kinderzahl, Elternzeitplanung und Gesundheit ab – deshalb rechnen wir das im Erstgespräch mit Ihren Werten durch, nicht mit Durchschnitten.

Häufige Fragen

Muss mein Kind in die PKV, wenn ich privat versichert bin?
Nein. Wenn Ihr Ehepartner gesetzlich versichert ist und die Ausschlussregel des § 10 Abs. 3 SGB V nicht greift, kann das Kind beitragsfrei familienversichert werden. Greift sie, wählen Sie zwischen PKV und freiwilliger GKV für das Kind.

Was kostet ein Kind in der freiwilligen GKV?
2026 mindestens rund 278 Euro im Monat (Mindestbemessungsgrundlage 1.318,33 Euro), unabhängig davon, dass das Kind kein Einkommen hat.

Kann der Versicherer mein Neugeborenes ablehnen?
Nicht bei fristgerechter Anmeldung spätestens zwei Monate nach der Geburt, wenn am Tag der Geburt ein Elternteil dort versichert ist (§ 198 Abs. 1 VVG): Dann muss der Versicherer das Kind ohne Risikozuschläge und ohne Wartezeiten aufnehmen. Eine vertraglich vereinbarte Mindestversicherungsdauer des Elternteils darf höchstens drei Monate betragen (§ 198 Abs. 3 VVG); ob der Tarif eine solche Frist vorsieht, steht in den Bedingungen.

Zahlt der Arbeitgeber auch für die Kinder?
Ja, im Rahmen des Höchstzuschusses nach § 257 SGB V – die Hälfte der Beiträge für Angehörige, die in der GKV familienversichert wären.

Kann ich in der Elternzeit in die GKV wechseln?
In der Regel nicht. Die Elternzeit begründet keine Versicherungspflicht. Ein Wechsel ist nur möglich, wenn nach der Elternzeit ein Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze vorliegt und die Altersgrenze von 55 nicht überschritten ist. Mehr dazu im Beitrag Rückkehr in die GKV.

Was das für Ihre Entscheidung bedeutet

Für Familien ist die PKV weder automatisch teuer noch automatisch günstig. Sie ist dann eine gute Wahl, wenn der privat versicherte Elternteil angestellt ist (Arbeitgeberzuschuss auch für die Kinder), die Elternzeit überwiegend vom gesetzlich versicherten Elternteil genommen wird oder der Tarif eine Elternzeitregelung enthält, und die Kindernachversicherung genutzt wird. Sie ist problematisch, wenn beide Eltern selbstständig und privat versichert sind und mehrere Kinder erwartet werden. Den Systemvergleich mit den Zahlen für 2026 finden Sie im Beitrag PKV oder GKV, die Beitragsentwicklung über die Jahrzehnte im Beitrag PKV-Beiträge im Alter.

PKV mit Familie – passt das?

Wir rechnen Familienversicherung, Kinderbeiträge und Elternzeit mit Ihren Zahlen durch – kostenlos, unabhängig, mit offenem Rechenweg.

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Quellen

FaireFinanzen-Redaktion

Dieser Beitrag wurde von der FaireFinanzen-Redaktion auf Grundlage der im Text genannten Primärquellen erstellt (Stand siehe oben). Redaktionell verantwortlich: Sven Chalupa, registrierter Versicherungsmakler (§ 34d Abs. 1 GewO) aus Berlin. Mehr über Sven Chalupa und das Team →

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