Das FaireFinanzen-Lexikon
58 Begriffe aus Versicherung und Vorsorge – kurz erklärt, ohne Fachchinesisch, mit Rechtsgrundlage und Links zur Vertiefung.
Stand: 29. September 2026. Zahlenwerte gelten für 2026, soweit nichts anderes angegeben ist. Zusammengestellt von der FaireFinanzen-Redaktion auf Grundlage von Gesetzestexten und amtlichen Quellen; redaktionell verantwortlich: Sven Chalupa.
Berufsunfähigkeit
Abstrakte Verweisung
Klausel in älteren BU-Bedingungen, mit der der Versicherer die Leistung verweigern kann, wenn die versicherte Person theoretisch einen anderen Beruf ausüben könnte, der ihrer Ausbildung und Lebensstellung entspricht – unabhängig davon, ob es eine solche Stelle gibt. Gute Tarife verzichten ausdrücklich darauf; dann zählt nur der zuletzt ausgeübte Beruf. Vertiefung: Berufsunfähigkeitsversicherung.
Anonyme Risikovoranfrage
Eine anonymisierte Voranfrage bei mehreren Versicherern, um bei Vorerkrankungen vorab zu klären, wer zu welchen Konditionen versichert – ohne dass eine Ablehnung aktenkundig wird. Ablauf im Detail: Anonyme BU-Risikovoranfrage.
Arbeitsunfähigkeitsklausel (AU-Klausel)
Zusatzbaustein in der BU, der die Rente bereits bei voraussichtlich sechsmonatiger Krankschreibung zahlt, ohne dass Berufsunfähigkeit nachgewiesen werden muss. Überbrückt die Zeit zwischen Krankengeld und BU-Leistung, vor allem bei psychischen Erkrankungen mit unklarer Prognose. Vertiefung: Berufsunfähigkeitsversicherung.
Beitragsdynamik
Vereinbarte jährliche Erhöhung von Beitrag und versicherter Rente um einen festen Prozentsatz vor dem Leistungsfall, ohne neue Gesundheitsprüfung. Schützt vor Inflation; der Erhöhung kann in der Regel widersprochen werden, nach mehrfachem Widerspruch erlischt das Recht bei vielen Anbietern. Vertiefung: Wie hoch sollte die BU-Rente sein?.
Berufsgruppe (Risikoeinstufung)
Zuordnung eines Berufs zu einer Risikoklasse durch den Versicherer auf Basis seiner Schadenerfahrung. Sie bestimmt den Beitrag maßgeblich: Büro- und IT-Berufe liegen in den günstigsten, körperlich arbeitende Berufe in den teuersten Gruppen. Die Einstufung ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. Vertiefung: Berufsunfähigkeitsversicherung.
Erwerbsminderungsrente
Die gesetzliche Rente bei dauerhaft eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Die volle Rente setzt voraus, dass Sie keinerlei Tätigkeit mehr als drei Stunden täglich ausüben können – nicht nur Ihren Beruf; die halbe Rente gibt es bei drei bis unter sechs Stunden (§ 43 SGB VI). Voraussetzung sind fünf Jahre Versicherungszeit und drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren. Der durchschnittliche Zahlbetrag im Rentenzugang 2025 lag bei rund 1.067 Euro im Monat (Deutsche Rentenversicherung). Wir planen Absicherung grundsätzlich ohne sie. Mehr auf der Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung und im Beitrag Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Grundfähigkeitsversicherung
Versicherung, die eine Rente zahlt, wenn definierte Fähigkeiten wie Sehen, Gehen, Autofahren oder der Gebrauch der Hände dauerhaft verloren gehen. Sie ist günstiger als eine BU, leistet aber nicht bei den häufigsten BU-Ursachen wie psychischen Erkrankungen und ist daher nur in Ausnahmefällen ein Ersatz. Vertiefung: BU mit Vorerkrankungen.
Hinweis- und Informationssystem (HIS)
Zentrale Auskunftei der Versicherungswirtschaft (Betreiber Besurance HIS GmbH), in der Versicherer unter anderem Ablehnungen, Zuschläge und Ausschlüsse aus Anträgen zu Lebens-, BU- und Unfallversicherungen speichern. Jede Person hat Anspruch auf eine kostenlose Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO. Vertiefung: BU mit Vorerkrankungen.
Konkrete Verweisung
Übt die versicherte Person tatsächlich eine andere Tätigkeit aus, darf der Versicherer sie darauf verweisen, wenn diese ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Gute Bedingungen verlangen zusätzlich, dass das neue Einkommen nicht wesentlich – meist nicht mehr als 20 Prozent – unter dem bisherigen liegt. Vertiefung: BU für Selbstständige.
Leistungsausschluss (Ausschlussklausel)
Vertragliche Regelung, nach der bestimmte Erkrankungen oder Körperregionen von der Leistung ausgeschlossen sind, etwa nach Bandscheibenvorfall oder Psychotherapie. Der Wortlaut entscheidet über die Reichweite; viele Versicherer prüfen auf Antrag nach beschwerdefreien Jahren eine Streichung. Vertiefung: BU mit Vorerkrankungen.
Leistungsdynamik (garantierte Rentensteigerung)
Vereinbarte jährliche Erhöhung der laufenden BU-Rente im Leistungsfall, meist 1 bis 3 Prozent. Sie erhält die Kaufkraft der Rente über Jahrzehnte und ist bei jungen Versicherten besonders wichtig, wird aber häufig aus Kostengründen weggelassen. Vertiefung: Wie hoch sollte die BU-Rente sein?.
Nachversicherungsgarantie
Eine Vertragsklausel, mit der sich die Versicherungssumme bei Anlässen wie Heirat, Geburt oder Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen lässt – wichtig, damit der Schutz mit dem Leben mitwächst. Relevant vor allem bei der Berufsunfähigkeitsversicherung.
Prognosezeitraum
Zeitraum, für den ärztlich vorausgesagt werden muss, dass die versicherte Person ihren Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht ausüben kann. Gesetzlicher Rahmen ist § 172 VVG; marktüblich sind sechs Monate, gute Tarife leisten rückwirkend ab Beginn der Berufsunfähigkeit. Vertiefung: Berufsunfähigkeitsversicherung.
Risikozuschlag
Erhöhter Beitrag, den der Versicherer wegen einer Vorerkrankung, eines Hobbys oder eines erhöhten Berufsrisikos verlangt. Anders als beim Leistungsausschluss bleibt das Risiko versichert. Vertiefung: BU mit Vorerkrankungen.
Umorganisationsklausel
Regelung, nach der Selbstständige nicht als berufsunfähig gelten, wenn sie ihren Betrieb so umorganisieren könnten, dass sie weiter tätig sein können. Für Selbstständige ist ein Vertrag ohne diese Klausel oder mit klaren Grenzen (zumutbar nur bei mindestens fünf Mitarbeitenden, keine erheblichen Einkommenseinbußen) entscheidend. Vertiefung: BU für Selbstständige.
Vorvertragliche Anzeigepflicht (§ 19 VVG)
Die Pflicht, Gesundheitsfragen im Versicherungsantrag wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Verstöße können den Versicherer je nach Schwere zu Vertragsanpassung, Rücktritt oder Anfechtung berechtigen – oft erst im Leistungsfall entdeckt. Praxisleitfaden: BU-Gesundheitsfragen richtig beantworten.
Private Krankenversicherung
Alterungsrückstellungen
Der Sparanteil im PKV-Beitrag: In jungen Jahren zahlen Versicherte mehr, als ihre Gesundheitskosten verursachen – die Differenz wird verzinst zurückgelegt und dämpft den Beitrag im Alter. Deshalb steigen PKV-Beiträge nicht mit dem Alter selbst, sondern mit den allgemeinen Gesundheitskosten. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Basistarif
Brancheneinheitlicher PKV-Tarif mit Leistungen auf GKV-Niveau (§ 152 VAG), offen für alle, die seit 2009 in die PKV eingetreten sind, und für bestimmte weitere Gruppen. Der Beitrag ist auf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt; eine Gesundheitsprüfung findet statt, darf aber nicht zu Zuschlägen oder Ausschlüssen führen. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Beitragsanpassung (§ 203 VVG)
Recht des PKV-Versicherers, den Beitrag anzupassen, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben von den kalkulierten um mehr als den gesetzlichen Schwellenwert von 10 Prozent (oder einen vertraglich vereinbarten niedrigeren Wert) abweichen. Jede Anpassung muss von einem unabhängigen Treuhänder geprüft werden. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Beitragsbemessungsgrenze (BBG)
Einkommensgrenze, bis zu der Sozialversicherungsbeiträge erhoben werden. 2026: 69.750 Euro (5.812,50 Euro im Monat) in Kranken- und Pflegeversicherung, 101.400 Euro (8.450 Euro im Monat) in Renten- und Arbeitslosenversicherung. Nicht zu verwechseln mit der Versicherungspflichtgrenze. Vertiefung: Versicherungspflichtgrenze 2027. Aktuelle Werte mit Quellen: Rechengrößen 2026/2027.
Beitragsentlastungstarif
Zusatzbaustein in der PKV, mit dem der Beitrag ab einem festgelegten Alter, meist 65, um einen garantierten Betrag sinkt. Finanziert wird das über einen Zusatzbeitrag im Berufsleben, an dem sich der Arbeitgeber im Rahmen seines Zuschusses beteiligt. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Familienversicherung
Beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern und Kindern in der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 10 SGB V), wenn deren eigenes Einkommen 2026 regelmäßig 565 Euro im Monat (Minijob: 603 Euro) nicht übersteigt. Kinder sind ausgeschlossen, wenn der privat versicherte Elternteil mehr als ein Zwölftel der Jahresarbeitsentgeltgrenze und mehr als der gesetzlich versicherte Elternteil verdient. Vertiefung: PKV für Familien und Kinder. Aktuelle Werte mit Quellen: Rechengrößen 2026/2027.
Gesetzlicher Zuschlag (10-Prozent-Zuschlag)
Zuschlag von zehn Prozent auf den PKV-Beitrag vom 21. bis zum 60. Lebensjahr (§ 149 VAG), der in eine zusätzliche Alterungsrückstellung fließt. Ab 65 werden die Mittel eingesetzt, um Beitragserhöhungen zu dämpfen, ab 80 dürfen sie den Beitrag senken. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)
Die Einkommensschwelle, ab der Angestellte in die private Krankenversicherung wechseln dürfen – 2026 liegt sie bei 77.400 Euro Jahresbrutto (69.750 Euro für Bestandsfälle, die Ende 2002 bereits privat versichert waren). Wer darunter verdient, ist gesetzlich versicherungspflichtig. Mehr dazu: PKV oder GKV und Rückkehr in die GKV. Aktuelle Werte mit Quellen: Rechengrößen 2026/2027.
Kindernachversicherung (§ 198 VVG)
Der gesetzliche Anspruch, ein Neugeborenes innerhalb von zwei Monaten nach der Geburt ohne Gesundheitsprüfung, Wartezeiten und Risikozuschläge in der PKV des Elternteils mitzuversichern – rückwirkend ab Geburt. Mehr auf der Seite zur privaten Krankenversicherung.
Krankentagegeld
Tarifbaustein der PKV (oder Zusatzversicherung für gesetzlich Versicherte), der bei Arbeitsunfähigkeit den Verdienstausfall ab einem vereinbarten Tag ersetzt. Für Selbstständige der wichtigste Schutz vor der BU-Leistung; für Angestellte ab dem Ende der Lohnfortzahlung nach sechs Wochen. Vertiefung: BU für Selbstständige.
Selbstbehalt
Betrag, den Privatversicherte pro Jahr selbst tragen, bevor der Versicherer erstattet. Ein höherer Selbstbehalt senkt den Beitrag; für Angestellte rechnet er sich seltener, weil der Arbeitgeber nur den Beitrag, nicht den Selbstbehalt bezuschusst. Vertiefung: Private Krankenversicherung.
Standardtarif
Brancheneinheitlicher Tarif für Versicherte, die vor 2009 in die PKV eingetreten sind, mit Leistungen auf GKV-Niveau und Beitrag höchstens in Höhe des GKV-Höchstbeitrags. Zugang ab 65 Jahren mit mindestens zehn Jahren PKV-Zugehörigkeit oder ab 55 mit Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Tarifwechsel (§ 204 VVG)
Gesetzliches Recht, innerhalb des eigenen Versicherers in jeden Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln – unter Mitnahme der Alterungsrückstellungen und ohne neue Gesundheitsprüfung, außer für Mehrleistungen. Häufig der wirksamste Weg, einen gestiegenen Beitrag zu senken, ohne die PKV zu verlassen. Vertiefung: PKV-Beitragsentwicklung im Alter.
Zusatzbeitrag (GKV)
Kassenindividueller Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag wird jährlich vom Bundesgesundheitsministerium festgesetzt (2026: 2,9 Prozent); bei Erhöhung des kassenindividuellen Satzes besteht ein Sonderkündigungsrecht (§ 175 Abs. 4 SGB V). Vertiefung: PKV oder GKV. Aktuelle Werte mit Quellen: Rechengrößen 2026/2027.
Altersvorsorge und Geldanlage
Abgeltungsteuer
Pauschale Steuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf Kapitalerträge im Depot (§ 32d EStG). Bei Aktienfonds bleiben 30 Prozent der Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Vertiefung: ETF-Police oder ETF-Sparplan?.
Altersvorsorgedepot
Staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente für Neuverträge ablöst (Altersvorsorgereformgesetz, Bundesrat 8. Mai 2026). Förderung: 50 Cent Zulage je Euro bis 360 Euro und 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro Jahresbeitrag, zusammen bis 540 Euro Grundzulage, dazu bis 300 Euro Kinderzulage je Kind; ohne Pflicht zur Beitragsgarantie und erstmals auch für Selbstständige. Vertiefung: Altersvorsorgedepot ab 2027.
Basisrente (Rürup-Rente)
Staatlich geförderte private Rentenversicherung, deren Beiträge als Sonderausgaben absetzbar sind – bis zum Höchstbeitrag der knappschaftlichen Rentenversicherung (§ 10 Abs. 3 EStG). Die Rente wird nachgelagert besteuert, ist nicht kapitalisierbar und nicht vererbbar ohne Zusatzbaustein. Vor allem für Selbstständige mit hoher Steuerlast interessant. Vertiefung: Altersvorsorge.
Bezugsgröße
Rechengröße der Sozialversicherung, abgeleitet aus dem Durchschnittsentgelt des vorvergangenen Jahres (2026: 3.955 Euro im Monat). Von ihr leiten sich viele Grenzwerte ab, etwa die Einkommensgrenze der Familienversicherung, die Mindestbemessung freiwillig Versicherter oder der Freibetrag für Betriebsrenten. Vertiefung: Versicherungspflichtgrenze 2027. Aktuelle Werte mit Quellen: Rechengrößen 2026/2027.
Effektivkosten
Die wichtigste Kennzahl jedes Vorsorgevertrags: Sie zeigt, um wie viel Prozentpunkte die jährliche Rendite durch sämtliche Kosten gemindert wird – und steht verpflichtend in jedem Angebot. Bei Fondspolicen entscheidet sie darüber, ob der Steuervorteil real ankommt. Siehe auch Investment.
Ertragsanteil
Bei einer lebenslangen Rente aus privater Vorsorge wird nicht die ganze Rente besteuert, sondern nur ein gesetzlich festgelegter Anteil, der vom Alter bei Rentenbeginn abhängt – je später der Beginn, desto niedriger der steuerpflichtige Anteil.
Halbeinkünfteverfahren
Steuerregel für Lebens- und Rentenversicherungen: Bei Kapitalauszahlung nach mindestens 12 Jahren Laufzeit und ab dem 62. Lebensjahr ist nur die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern. Ein zentraler Baustein im Vergleich von Police und Depot. Mehr auf der Seite Altersvorsorge.
Rentenniveau
Verhältnis der Standardrente (45 Beitragsjahre mit Durchschnittsverdienst) zum Durchschnittseinkommen, jeweils vor Steuern und nach Sozialabgaben. Es liegt bei rund 48 Prozent und ist gesetzlich bis 2031 auf dieser Höhe gesichert; es beschreibt nicht, wie viel Prozent des eigenen letzten Gehalts die Rente ausmacht. Vertiefung: Altersvorsorge.
Riester-Rente
Staatlich geförderte Altersvorsorge mit Zulagen (175 Euro Grundzulage, 300 Euro je ab 2008 geborenem Kind) und Sonderausgabenabzug bis 2.100 Euro, bislang nur für Pflichtversicherte der gesetzlichen Rentenversicherung und Beamte. Für Neuverträge wird sie zum 31. Dezember 2026 durch das Altersvorsorgedepot abgelöst; bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und können weiterbespart werden. Vertiefung: Altersvorsorgedepot ab 2027.
Sparerpauschbetrag
Freibetrag für Kapitalerträge von 1.000 Euro pro Person und Jahr (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung), bis zu dem keine Abgeltungsteuer anfällt (§ 20 Abs. 9 EStG). Er wird über einen Freistellungsauftrag bei der Bank genutzt. Vertiefung: Investment.
Teilfreistellung
Ein pauschaler steuerfreier Anteil der Erträge bei Fondsanlagen: 30 Prozent bei Aktienfonds im Depot, 15 Prozent innerhalb fondsgebundener Versicherungen – als Ausgleich für die auf Fondsebene bereits gezahlten Steuern.
Vorabpauschale
Steuerliche Vorauszahlung auf thesaurierende Fonds und ETFs im Depot: Jedes Jahr wird ein fiktiver Mindestertrag (Basiszins × 70 Prozent des Fondswerts, gedeckelt auf den tatsächlichen Wertzuwachs) besteuert und beim Verkauf angerechnet (§ 18 InvStG). In Fondspolicen fällt sie nicht an. Vertiefung: ETF-Police oder ETF-Sparplan?.
Betriebliche Altersvorsorge
Arbeitgeberzuschuss (bAV)
Pflichtzuschuss von 15 Prozent auf das umgewandelte Entgelt, soweit der Arbeitgeber dadurch Sozialversicherungsbeiträge spart (§ 1a Abs. 1a BetrAVG); seit 2019 für neue, seit 2022 für alle Vereinbarungen. Tarifverträge können abweichen. Vertiefung: bAV-Pflichtzuschuss berechnen.
Beitragszusage mit Mindestleistung
Zusageart, bei der der Arbeitgeber verspricht, bestimmte Beiträge zu zahlen und dass im Versorgungsfall mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge (abzüglich Risikoanteile) zur Verfügung steht (§ 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrAVG). Begrenzt die Einstandspflicht des Arbeitgebers. Vertiefung: bAV-Durchführungswege für kleine Unternehmen.
Betriebsrentenfreibetrag (KV)
Freibetrag für Betriebsrenten in der gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von einem Zwanzigstel der monatlichen Bezugsgröße (2026: 197,75 Euro), bis zu dem keine Krankenversicherungsbeiträge anfallen (§ 226 Abs. 2 SGB V). Für die Pflegeversicherung gilt er nicht. Vertiefung: bAV aus Arbeitnehmersicht.
Direktversicherung
Lebens- oder Rentenversicherung, die der Arbeitgeber als Versicherungsnehmer auf das Leben des Beschäftigten abschließt; der Beschäftigte ist bezugsberechtigt. Der in kleinen Unternehmen häufigste Durchführungsweg, weil Verwaltung und Haftung beim Versicherer liegen. Vertiefung: bAV-Durchführungswege für kleine Unternehmen.
Durchführungswege
Die fünf gesetzlich zugelassenen Wege der betrieblichen Altersvorsorge: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage. Bei Entgeltumwandlung darf der Arbeitgeber den Weg wählen; verlangt der Beschäftigte Umwandlung und der Arbeitgeber bietet weder Pensionsfonds noch Pensionskasse an, muss er eine Direktversicherung ermöglichen (§ 1a BetrAVG). Vertiefung: bAV-Durchführungswege für kleine Unternehmen.
Entgeltumwandlung
Die klassische Form der betrieblichen Altersvorsorge: Ein Teil des Bruttogehalts fließt vor Steuern und Sozialabgaben in einen Vorsorgevertrag; seit 2022 muss der Arbeitgeber 15 Prozent zuschießen, wenn er Sozialabgaben spart. Einordnung: bAV aus Arbeitnehmersicht.
Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG)
Gesetzlicher Träger der Insolvenzsicherung für Betriebsrenten (§§ 7–15 BetrAVG). Beitragspflichtig sind Direktzusagen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds und – seit 2021/2022 – auch Pensionskassenzusagen; ausgenommen bleiben unter anderem Pensionskassen im Sicherungsfonds Protektor und die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Direktversicherungen sind nur bei widerruflichem Bezugsrecht, Abtretung oder Beleihung erfasst. Vertiefung: bAV-Pflichten für Arbeitgeber.
Portabilität
Recht, beim Arbeitgeberwechsel den Übertragungswert einer Direktversicherung, Pensionskasse oder eines Pensionsfonds innerhalb eines Jahres auf den neuen Arbeitgeber zu übertragen (§ 4 BetrAVG), bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung. Vertiefung: bAV-Pflichten für Arbeitgeber.
Unverfallbarkeit
Zeitpunkt, ab dem eine bAV-Anwartschaft beim Ausscheiden aus dem Unternehmen erhalten bleibt. Anwartschaften aus Entgeltumwandlung sind sofort unverfallbar, arbeitgeberfinanzierte nach drei Jahren Zusagedauer und Vollendung des 21. Lebensjahres (§ 1b BetrAVG). Vertiefung: bAV-Pflichten für Arbeitgeber.
Versorgungsordnung
Schriftliche Regelung des Arbeitgebers, die Durchführungsweg, Anbieter, Zuschussregel, Zusageart sowie die Behandlung in Elternzeit und beim Ausscheiden festlegt. Gesetzlich nicht vorgeschrieben, praktisch aber der wichtigste Schutz vor Ansprüchen aus betrieblicher Übung. Vertiefung: bAV in der kleinen GmbH einführen.
Vermittler und Beratung
Courtage und Provision
Vergütung des Vermittlers durch den Versicherer, beim Makler Courtage, beim Vertreter Provision genannt. Beide sind in den Versicherungsbeitrag einkalkuliert; ein Vertrag kostet über einen Makler nicht mehr als derselbe Vertrag über einen Vertreter. Die Alternative ist die Honorarberatung durch Versicherungsberater (§ 34d Abs. 2 GewO). Vertiefung: Unabhängige Versicherungsmakler in Berlin.
Sachkundeprüfung (IHK)
Nachweis der Fachkunde, den Versicherungsvermittler für die Erlaubnis nach § 34d GewO erbringen müssen – in der Regel die Prüfung „Geprüfte/r Fachfrau/Fachmann für Versicherungsvermittlung (IHK)“ oder ein gleichgestellter Abschluss (§ 5 VersVermV). Dazu kommt eine Weiterbildungspflicht von 15 Stunden pro Jahr. Vertiefung: Partner werden.
Statusmitteilung
Gesetzlich vorgeschriebene Information, die jeder Vermittler beim ersten Geschäftskontakt geben muss (§ 15 VersVermV): Name, Anschrift, Status als Makler oder Vertreter, Registrierungsnummer, Registerstelle und Beteiligungen an oder von Versicherern. Vertiefung: Makler oder Vertreter?.
Vermittlerregister
Öffentliches Register der Industrie- und Handelskammern (DIHK) nach § 34d Abs. 10 GewO, in dem alle Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler mit Status und Registrierungsnummer eingetragen sind. Abrufbar unter www.vermittlerregister.info; Stand 1. Januar 2026: 178.791 Einträge. Vertiefung: Makler oder Vertreter?.
Versicherungsmakler
Vermittler, der gewerbsmäßig für den Versicherungsnehmer Versicherungsverträge vermittelt, ohne von einem Versicherer damit betraut zu sein (§ 59 Abs. 3 VVG). Er muss seiner Empfehlung eine hinreichende Zahl von Versicherern und Verträgen zugrunde legen (§ 60 VVG) und ist nach der Rechtsprechung des BGH treuhänderähnlicher Sachwalter des Kunden. Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO. Vertiefung: Makler oder Vertreter?.
Versicherungsvertreter
Vermittler, der von einem oder mehreren Versicherern damit betraut ist, deren Verträge zu vermitteln (§ 59 Abs. 2 VVG). Er steht rechtlich im Lager des Versicherers; seine Kenntnis wird dem Versicherer zugerechnet (§ 70 VVG). Ausschließlichkeitsvertreter, Mehrfachvertreter und gebundene Vertreter (§ 34d Abs. 7 GewO) sind Untergruppen. Vertiefung: Makler oder Vertreter?.
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