ETF-Police oder ETF-Sparplan: Der ehrliche Vergleich
ETF-Sparplan oder ETF-Rentenversicherung („ETF-Police”)? Kaum eine Frage wird in der Altersvorsorge-Beratung so oft gestellt – und kaum eine so oft interessengeleitet beantwortet. Banken und Fintechs preisen den Sparplan, Versicherungsvertreter die Police. Die ehrliche Antwort: Beide Wege investieren in dieselben Fonds, aber der „Mantel” drumherum hat unterschiedliche Stärken. Hier ist der nüchterne Vergleich.
Was für den ETF-Sparplan spricht
- Minimale Kosten: Depot und Sparplan sind heute oft kostenlos, die ETF-Kosten liegen im Promillebereich. Kein Versicherungsmantel kann günstiger sein als gar keiner.
- Volle Flexibilität: Sie können jederzeit stoppen, entnehmen oder umschichten – ohne Vertragsbedingungen.
- Einfachheit: Kein Kleingedrucktes, kein Anbieterrisiko über Jahrzehnte.
Steuerlich gilt im Depot: Auf Gewinne fällt Abgeltungsteuer an (25 Prozent plus Solidaritätszuschlag), bei Aktien-ETFs bleiben davor 30 Prozent des Ertrags durch die Teilfreistellung steuerfrei. Während der Laufzeit greift jährlich die Vorabpauschale – eine kleine Vorab-Besteuerung, die dem Zinseszins etwas Tempo nimmt.
Was für die ETF-Police spricht
- Steuerstundung beim Umschichten: Innerhalb der Police können Sie Fonds wechseln und rebalancen, ohne dass Steuern anfallen – im Depot löst jeder Verkauf Abgeltungsteuer aus. Über 30 Jahre ist das ein realer Zinseszins-Vorteil.
- Halbeinkünfteverfahren: Bei Auszahlung nach mindestens 12 Jahren Laufzeit und ab dem 62. Lebensjahr ist nur die Hälfte des Gewinns mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern (zusätzlich sind 15 Prozent des Ertrags in der fondsgebundenen Police teilfreigestellt).
- Lebenslange Rente möglich: Nur die Police kann das „Langlebigkeitsrisiko” absichern – Geld, das nicht ausgehen kann, egal wie alt Sie werden. Bei Verrentung wird nur der niedrige Ertragsanteil besteuert.
Der entscheidende Faktor: die Kosten der Police
Der Steuervorteil der Police ist real – aber er wird von den Effektivkosten des Vertrags aufgezehrt, wenn diese zu hoch sind. Eine teure Provisionspolice mit hohen laufenden Kosten verliert gegen jeden simplen Sparplan. Eine kostengünstige Nettopolice kann dagegen rechnerisch vorne liegen, vor allem bei langen Laufzeiten und aktivem Umschichten. Die Effektivkostenquote steht in jedem Angebot – sie ist die wichtigste Zahl des Vergleichs, und genau hier lohnt unabhängige Beratung.
Unser Fazit: oft ist die Kombination am stärksten
Für die meisten unserer Mandanten ist es kein Entweder-oder: Der Sparplan bietet Flexibilität für mittelfristige Ziele, die Police strukturiert den Teil, der sicher bis zur Rente durchlaufen und ggf. verrentet werden soll. Ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot ein dritter Baustein hinzu, der beide Welten teilweise verbindet.
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