Altersvorsorgedepot ab 2027: Was die Riester-Nachfolge für Ihre Vorsorge bedeutet
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Riester-Rente hat Deutschland die private Altersvorsorge neu aufgestellt: Im Frühjahr 2026 haben Bundestag (27. März) und Bundesrat (8. Mai) das Altersvorsorgereformgesetz beschlossen; am 29. Mai 2026 wurde es im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 156). Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das neue, staatlich geförderte Altersvorsorgedepot – und für Riester-Verträge nach altem Modell ist der 31. Dezember 2026 der letzte Abschlusstermin. In diesem Beitrag erklären wir, wie das neue Depot funktioniert, wer profitiert und was Sie mit einem bestehenden Riester-Vertrag jetzt beachten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 und ersetzt Riester für Neuverträge.
- Gefördert wird beitragsproportional: 50 Cent Zulage je eingezahltem Euro bis 360 Euro Jahresbeitrag, darüber 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro – zusammen bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr.
- Kinderzulage: bis zu 300 Euro je Kind und Jahr (1 Euro Zulage je gespartem Euro bis 300 Euro). Berufseinsteiger unter 25 erhalten einmalig 200 Euro Bonus.
- Erstmals sind auch Selbstständige, Freiberufler und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke förderberechtigt.
- Die bisherige 100-Prozent-Beitragsgarantie entfällt: Das Geld darf renditeorientiert in ETFs und Fonds angelegt werden. Wer Sicherheit möchte, kann weiterhin Produkte mit 80 oder 100 Prozent Garantie wählen.
- Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und können weiterbespart werden.
Gesetzgebungsstand: beschlossen, verkündet, Start 2027
| Schritt | Stand | Datum / Quelle |
|---|---|---|
| Beschluss | Bundestag und Bundesrat haben das Altersvorsorgereformgesetz beschlossen | 27. März 2026 (Bundestag), 8. Mai 2026 (Bundesrat) |
| Verkündung | Im Bundesgesetzblatt verkündet | BGBl. 2026 I Nr. 156, ausgegeben am 29. Mai 2026 |
| Inkrafttreten | Gestaffelt: Teile am Tag nach der Verkündung, die Förderregeln zum 1. Januar 2027, weitere Vorschriften zum 1. Januar 2028 | Art. zum Inkrafttreten des Gesetzes |
| Anwendungsbeginn | Beiträge in ein Altersvorsorgedepot werden ab dem Beitragsjahr 2027 gefördert; neue Riester-Verträge sind nur noch bis 31. Dezember 2026 möglich | 1. Januar 2027 |
| Produktverfügbarkeit | Anbieter müssen ihre Depots vor dem Vertrieb zertifizieren lassen; eine offizielle Anbieterliste wird zum Marktstart veröffentlicht. Vor 2027 kann kein Altersvorsorgedepot abgeschlossen werden, und ob ein bestimmter Anbieter pünktlich startet, entscheidet der Anbieter | BMF-FAQ; Stand 1. Oktober 2026 |
Stand 1. Oktober 2026. Wir aktualisieren die Übersicht, sobald die Anbieterliste veröffentlicht ist.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Anders als bei der Riester-Rente muss der Anbieter nicht mehr garantieren, dass am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Dadurch kann das Geld vollständig in renditestärkere Anlagen wie breit gestreute Aktien-ETFs und Fonds fließen – über Jahrzehnte macht dieser Unterschied beim Endkapital erfahrungsgemäß sehr viel aus. Wer nicht auf Sicherheit verzichten möchte, kann alternativ weiterhin geförderte Produkte mit einer Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent wählen.
Neu ist auch ein kostengünstiges Standardprodukt als Vergleichsmaßstab: Für dieses Referenzdepot dürfen die Effektivkosten maximal 1,0 Prozent pro Jahr betragen – der Bundestag hat den Deckel gegenüber dem Regierungsentwurf noch einmal von 1,5 auf 1,0 Prozent gesenkt. Das setzt alle Anbieter unter Kostendruck, was für Sparer eine gute Nachricht ist.
So funktioniert die neue Förderung
Die komplizierte Riester-Logik aus Mindesteigenbeitrag und Sockelbetrag ist Geschichte. Künftig gilt eine einfache, beitragsproportionale Formel: Für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro im Jahr gibt der Staat 50 Cent dazu, für jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro noch einmal 25 Cent. Wer den zulagefähigen Höchstbeitrag von 1.800 Euro voll ausschöpft, erhält also bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Schon ab 120 Euro Eigenbeitrag im Jahr (10 Euro im Monat) sind Sie förderberechtigt. Einzahlungen darüber hinaus sind bis 6.840 Euro jährlich möglich, erhöhen die Zulage aber nicht.
Familien profitieren zusätzlich: Für jedes Kind gibt es eine Kinderzulage von einem Euro je gespartem Euro, bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr – bereits mit 25 Euro Monatsbeitrag voll ausgeschöpft. Junge Sparer unter 25 erhalten einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro. Die Erträge wachsen in der Ansparphase steuerfrei; besteuert wird erst in der Auszahlungsphase (nachgelagerte Besteuerung).
Wer kann das Altersvorsorgedepot nutzen?
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft den Kreis der Förderberechtigten. Bei Riester blieben Selbstständige weitgehend außen vor – künftig sind neben rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern erstmals auch Selbstständige, Freiberufler, Gewerbetreibende und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke (etwa Ärzte oder Architekten) förderberechtigt. Voraussetzung für Selbstständige ist im Wesentlichen, dass entsprechende Einkünfte in der Steuererklärung angegeben werden. Gerade in Kombination mit der aktuell diskutierten Altersvorsorgepflicht für Selbstständige lohnt es sich für diese Gruppe, die eigene Vorsorgestrategie jetzt zu überdenken.
Auszahlung im Ruhestand
Auch bei der Auszahlung wird das neue System flexibler: Statt einer verpflichtenden lebenslangen Verrentung sind künftig auch befristete Auszahlpläne möglich – nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung ist etwa ein 20-jähriger Auszahlplan ab dem 65. Lebensjahr vorgesehen. Die Leistungen werden in der Auszahlungsphase individuell versteuert, was für die meisten Ruheständler günstiger ist als die Besteuerung während des Erwerbslebens.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Für alle Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gilt Bestandsschutz: Sie laufen unverändert weiter und können weiterbespart werden. Ein Wechsel in die neue Förderwelt ist möglich, ohne dass bereits erhaltene Förderungen zurückgezahlt werden müssen. Ob sich das Behalten, Beitragsfreistellen oder Umsteigen lohnt, hängt stark vom Einzelfall ab – von den Kosten des Altvertrags, der garantierten Verzinsung, Ihrem Alter und Ihrer Steuersituation. Das prüfen wir gern gemeinsam mit Ihnen.
Nicht verwechseln: die geplante Frühstart-Rente
Oft im selben Atemzug genannt, aber ein separates Vorhaben: die Frühstartrente, bei der der Staat für Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren monatlich 10 Euro in einen eigenen Altersvorsorgevertrag einzahlt. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf am 12. August 2026 beschlossen; Bundestag und Bundesrat sollen das Verfahren nach dem Zeitplan der Bundesregierung noch 2026 abschließen. Vorgesehen ist ein Start zum 1. Januar 2027 mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021, für den Jahrgang 2020 rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 (Quelle: Bundesfinanzministerium, FAQ zur Frühstartrente, Stand 14. August 2026). Beschlossen ist das Gesetz damit noch nicht; wir aktualisieren diese Stelle nach der Verabschiedung.
Riester oder Altersvorsorgedepot: behalten, umwandeln oder neu starten?
Ab 2027 stehen Riester-Sparer vor drei Optionen: den Altvertrag weiterführen, ihn beitragsfrei stellen und das neue Depot parallel beginnen, oder das Guthaben in die neue Förderwelt überführen. Welche Option passt, hängt vom Vertrag ab, nicht von der Schlagzeile. Die folgende Übersicht nennt die Kriterien, die in unseren Gesprächen den Ausschlag geben.
| Kriterium | Spricht für Riester behalten | Spricht für Altersvorsorgedepot (neu oder Umstieg) |
|---|---|---|
| Garantie | Altvertrag mit garantierter Verzinsung oder 100-%-Beitragsgarantie, die Sie nicht aufgeben möchten | Lange Restlaufzeit (15 Jahre und mehr), Renditechance wichtiger als Garantie |
| Kosten | Niedrige laufende Kosten, Abschlusskosten bereits bezahlt | Altvertrag mit hohen laufenden Kosten; Referenzdepot mit höchstens 1,0 % Effektivkosten |
| Förderung | Zulagen bereits ausgeschöpft (175 € Grundzulage, 300 € je Kind ab Geburtsjahr 2008), Sonderausgabenabzug bis 2.100 € | Höhere Grundzulage bis 540 €, Kinderzulage bis 300 €, Berufseinsteigerbonus 200 € unter 25; Einzahlung bis 6.840 € jährlich |
| Status | Angestellt mit Mindesteigenbeitrag 4 % des Vorjahresbrutto, Vertrag läuft rund | Selbstständig oder im Versorgungswerk: erstmals förderberechtigt |
| Auszahlung | Verrentung mit Garantien gewünscht | Flexiblere Auszahlpläne ab Rentenbeginn, nachgelagert besteuert |
Riester-Werte nach §§ 84–86 EStG (Stand 2026); Werte des Altersvorsorgedepots nach dem Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 156, Förderung ab 2027).
Für wen lohnt sich ein Altersvorsorgedepot?
Am deutlichsten für drei Gruppen: Familien mit Kindern, weil die Kinderzulage von bis zu 300 € je Kind und Jahr mit nur 300 € Eigenbeitrag voll ausgeschöpft wird; Berufseinsteiger unter 25, die den Bonus von 200 € mitnehmen und eine lange Ansparphase ohne Garantiekosten vor sich haben; und Selbstständige, die bisher von der Riester-Förderung ausgeschlossen waren und jetzt neben der Basisrente einen zweiten geförderten Weg bekommen. Weniger attraktiv ist das Depot für alle, die das Geld vor dem Ruhestand brauchen könnten – das Kapital ist gebunden, und eine vorzeitige Entnahme kostet die Förderung.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag, wenn das Altersvorsorgedepot kommt?
Nichts automatisch. Ihr Vertrag läuft mit allen Zusagen weiter, Zulagen werden weiter gezahlt, und Sie können ihn beitragsfrei stellen oder weiterbesparen. Ein Umstieg in die neue Förderwelt ist möglich, ohne dass erhaltene Zulagen zurückzuzahlen sind; ob er sich rechnet, entscheidet der Vergleich von Garantiewert und Kosten des Altvertrags mit den höheren Zulagen des Depots. Lassen Sie sich vor einer Kündigung den Rückkaufswert und die garantierte Rente des Altvertrags schriftlich geben – diese beiden Zahlen sind die Grundlage jeder ehrlichen Rechnung.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Ist das Altersvorsorgedepot schon beschlossen?
Ja. Bundestag (27. März 2026) und Bundesrat (8. Mai 2026) haben das Altersvorsorgereformgesetz beschlossen; es wurde am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 156). Die Förderung gilt ab dem 1. Januar 2027. Abschließen können Sie ein Altersvorsorgedepot erst, wenn Anbieter zertifizierte Produkte anbieten – voraussichtlich zum Marktstart Anfang 2027.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot mehr als ein normales ETF-Depot?
Das hängt vom Einzelfall ab. Für die staatlichen Zulagen (bis zu 540 Euro plus Kinderzulagen) und die steuerfreie Ansparphase spricht viel – dafür ist das Kapital bis zum Ruhestand gebunden und die Auszahlung wird nachgelagert besteuert. Ein ungefördertes ETF-Depot bleibt jederzeit verfügbar. Häufig ist die Kombination aus beidem sinnvoll.
Soll ich meinen Riester-Vertrag jetzt noch schnell abschließen oder kündigen?
Weder Panik-Abschluss noch Panik-Kündigung sind ratsam. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz, und ob ein Altvertrag mit Garantien für Sie wertvoller ist als die neue Förderung, sollte individuell durchgerechnet werden – inklusive Kosten und Steuereffekten.
Ich bin selbstständig – was ändert sich für mich?
Sie gehören ab 2027 erstmals zum förderberechtigten Kreis der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Zusammen mit Basisrente (Rürup) und ungefördertem Depot ergibt sich damit ein neuer Baukasten, den wir für Ihre Situation optimal kombinieren können.
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Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung dar. Stand der Informationen: 1. Oktober 2026.
Verfasst von: Sven Chalupa, Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO (IHK-Vermittlerregister: D-Z4S1-JDP8G-50)
Zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2026 (Gesetzgebungsstand, Frühstartrente, FAQ zusammengeführt)
Quellen: Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 156 (Altersvorsorgereformgesetz, ausgegeben 29.05.2026), Bundesfinanzministerium – FAQ zur Frühstartrente (Stand 14.08.2026), Bundesregierung – FAQ „Reform der privaten Altersvorsorge” (Stand 01.06.2026), Bundesfinanzministerium – FAQ zum Altersvorsorgereformgesetz (Stand 05.05.2026), Deutscher Bundestag – Beschluss vom 27.03.2026, Deutsche Rentenversicherung – Meldung vom 08.05.2026
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Kostenloses Erstgespräch anfragenDieser Beitrag wurde von der FaireFinanzen-Redaktion auf Grundlage der im Text genannten Primärquellen erstellt (Stand siehe oben). Redaktionell verantwortlich: Sven Chalupa, registrierter Versicherungsmakler (§ 34d Abs. 1 GewO) aus Berlin. Mehr über Sven Chalupa und das Team →
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