Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter: Der Unterschied, der über Ihre Beratung entscheidet
Stand: 29. September 2026 · Rechtsstand: §§ 59–61, 63, 70 VVG; § 34d GewO; § 15 VersVermV · Registerzahlen: DIHK, Stichtag 1. Januar 2026
Kurz gesagt: Versicherungsvertreter arbeiten im Auftrag eines oder mehrerer Versicherer und vermitteln deren Produkte; Versicherungsmakler arbeiten im Auftrag des Kunden und müssen ihrer Empfehlung eine ausreichende Zahl von Versicherern und Verträgen zugrunde legen (§§ 59, 60 VVG). Der Bundesgerichtshof nennt den Makler den „treuhänderähnlichen Sachwalter“ des Kunden. Beide Gruppen sind im öffentlichen Vermittlerregister eingetragen – dort und in der gesetzlich vorgeschriebenen Statusmitteilung beim ersten Kontakt sehen Sie, wen Sie vor sich haben. Von den 178.791 registrierten Vermittlern am 1. Januar 2026 waren 46.951 Makler und 98.307 gebundene Vertreter. Der Unterschied betrifft nicht die Seriosität der Person, sondern die Frage, in wessen Lager sie rechtlich steht – und das entscheidet darüber, ob ein Anbietervergleich überhaupt Teil der Beratung ist.
Wer sich zu einer Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung beraten lässt, sitzt fast immer einem von zwei Berufsbildern gegenüber, die sich äußerlich kaum unterscheiden: dem Versicherungsvertreter und dem Versicherungsmakler. Beide beraten, beide füllen Anträge aus, beide werden in der Regel vom Versicherer bezahlt. Der Unterschied liegt in der Frage, für wen sie rechtlich handeln – und daran hängt, welche Pflichten sie Ihnen gegenüber haben und was Sie von der Beratung erwarten dürfen.
Der rechtliche Unterschied in einem Satz
§ 59 VVG definiert beide Rollen. Versicherungsvertreter ist, wer von einem Versicherer oder einem anderen Vertreter damit betraut ist, gewerbsmäßig Versicherungsverträge zu vermitteln oder abzuschließen. Versicherungsmakler ist, wer gewerbsmäßig für den Versicherungsnehmer die Vermittlung übernimmt, ohne von einem Versicherer damit betraut zu sein. Der Vertreter steht im Lager des Versicherers, der Makler im Lager des Kunden.
Der Bundesgerichtshof hat das 1985 im sogenannten Sachwalter-Urteil auf den Punkt gebracht: Der Makler ist „treuhänderähnlicher Sachwalter“ des Versicherungsnehmers, mit weitreichenden Pflichten, seine Interessen wahrzunehmen. Für den Vertreter gilt das nicht – er darf und soll das Produkt seines Versicherers vermitteln.
Was das praktisch bedeutet
| Frage | Versicherungsvertreter | Versicherungsmakler |
|---|---|---|
| Wessen Interessen vertritt er rechtlich? | des Versicherers | des Kunden (Sachwalter) |
| Auf welcher Grundlage berät er? (§ 60 VVG) | auf Basis der Produkte seines Versicherers; muss Ihnen mitteilen, für welche Versicherer er tätig ist | muss seiner Empfehlung „eine hinreichende Zahl“ von Versicherern und Verträgen zugrunde legen – oder Sie ausdrücklich auf eine eingeschränkte Auswahl hinweisen |
| Muss er beraten und dokumentieren? (§ 61 VVG) | ja | ja |
| Haftet er für Beratungsfehler? (§ 63 VVG) | ja, wobei häufig der Versicherer mithaftet | ja, mit eigener Berufshaftpflicht |
| Was Sie ihm sagen, weiß der Versicherer? (§ 70 VVG) | ja – die Kenntnis des Vertreters gilt als Kenntnis des Versicherers („Auge und Ohr“) | nein – Angaben gegenüber dem Makler ersetzen keine Angabe im Antrag |
| Betreuung im Leistungsfall | über den Versicherer | durch den Makler als Ihr Beauftragter |
| Wer bezahlt ihn? | Provision vom Versicherer | Courtage vom Versicherer (im Preis enthalten) oder Honorar vom Kunden |
Zwei Zeilen dieser Tabelle sind im Alltag besonders wichtig. Erstens die Beratungsgrundlage: Nur der Makler ist verpflichtet, den Markt zu vergleichen. Ein Vertreter darf Ihnen das beste Produkt seines Hauses empfehlen, auch wenn ein anderer Versicherer für Ihre Situation besser wäre – das ist kein Beratungsfehler, sondern sein Auftrag. Zweitens die Wissenszurechnung: Was Sie einem Vertreter mündlich zu Ihrer Gesundheit sagen, muss sich der Versicherer zurechnen lassen; beim Makler gilt das nicht, weshalb bei Maklern alle Angaben schriftlich in den Antrag gehören. Warum das bei der Berufsunfähigkeitsversicherung über den Leistungsfall entscheidet, erklären wir im Beitrag BU-Gesundheitsfragen richtig beantworten.
Die Untergruppen, die Sie kennen sollten
Innerhalb der Vertreter gibt es drei Varianten. Der Ausschließlichkeitsvertreter arbeitet für genau einen Versicherer – die klassische Agentur mit dem Firmenlogo am Schaufenster. Der Mehrfachvertreter (Mehrfachagent) vermittelt für mehrere Versicherer, steht aber rechtlich weiter in deren Lager. Und der gebundene Vertreter nach § 34d Abs. 7 GewO arbeitet unter dem Haftungsdach eines Versicherers ohne eigene Gewerbeerlaubnis; für ihn haftet der Versicherer. Gebundene Vertreter sind mit 98.307 Registrierungen die größte Gruppe im Vermittlerregister.
Auf der Maklerseite gibt es den Versicherungsmakler mit eigener Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO – 46.951 Registrierungen – und, deutlich seltener, den Versicherungsberater nach § 34d Abs. 2 GewO, der ausschließlich gegen Honorar berät und keine Vergütung vom Versicherer annehmen darf; davon gab es zum Stichtag 331. Vorsicht bei Bezeichnungen: Wer sich „unabhängiger Finanzberater“ oder „Versicherungsexperte“ nennt, sagt damit rechtlich nichts. Wer den Anschein erweckt, Makler zu sein, ohne es zu sein, wird vom Gesetz wie ein Makler behandelt (§ 59 Abs. 3 Satz 2 VVG) – ein Schutz für Sie, aber kein Ersatz für die Prüfung.
So finden Sie heraus, wen Sie vor sich haben
Sie müssen nicht raten. Das Gesetz verpflichtet jeden Vermittler, Ihnen beim ersten Geschäftskontakt eine Statusmitteilung zu geben (§ 15 VersVermV): Name, Anschrift, ob er als Makler oder Vertreter tätig ist, seine Registrierungsnummer, die Registerstelle und etwaige Beteiligungen an oder von Versicherern. Diese Mitteilung ist Pflicht, nicht Kür – wer sie nicht bekommt, sollte nachfragen.
Zweitens das Vermittlerregister: Unter www.vermittlerregister.info können Sie jede Registrierungsnummer prüfen. Der Eintrag nennt den Status („Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO“, „gebundener Versicherungsvertreter“ usw.), die zuständige Kammer und bei gebundenen Vertretern den Versicherer, für den sie tätig sind. Unsere eigenen Nummern stehen im Impressum.
Drittens die Beratungsdokumentation: Ein Makler dokumentiert, welche Anbieter er verglichen hat und warum er eine Empfehlung ausspricht. Fehlt dieser Vergleich in der Dokumentation, haben Sie entweder einen Vertreter vor sich oder einen Makler, der seine Pflicht nicht erfüllt.
Und was ist mit der Vergütung?
In der Regel bezahlt der Versicherer beide: den Vertreter mit einer Provision, den Makler mit einer Courtage. Beides ist in den Versicherungsbeitrag einkalkuliert; ein Vertrag über einen Makler kostet Sie nicht mehr als derselbe Vertrag über einen Vertreter. Der Unterschied liegt nicht im Preis, sondern darin, dass die Courtage vom Versicherer bezahlt wird, den der Makler in Ihrem Auftrag ausgewählt hat. Deshalb legen wir den Rechenweg offen: welche Anbieter geprüft wurden, warum die Empfehlung so ausfällt und was der Vertrag kostet. Bei der Geldanlage arbeiten wir mit einer transparenten Servicegebühr, wie auf der Seite zur Investmentberatung beschrieben.
Die Alternative dazu ist die reine Honorarberatung durch Versicherungsberater. Sie ist rechtlich sauber getrennt von jeder Vergütung durch Versicherer, in der Praxis aber selten – 331 registrierte Versicherungsberater stehen rund 47.000 Maklern gegenüber.
Wann ein Vertreter die richtige Wahl sein kann
Fairerweise: Es gibt Situationen, in denen ein Ausschließlichkeitsvertreter passt – wenn Sie ohnehin bei genau diesem Versicherer bleiben wollen, bei einfachen Produkten ohne großen Marktunterschied oder wenn Ihnen die Betreuung vor Ort durch eine Agentur wichtiger ist als der Vergleich. Bei Berufsunfähigkeits-, Kranken- und Altersvorsorgeverträgen, die Sie Jahrzehnte begleiten und bei denen sich die Bedingungen der Anbieter erheblich unterscheiden, ist der Marktvergleich aus unserer Sicht unverzichtbar.
Unsere Rolle
FaireFinanzen ist als Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach § 34d Abs. 1 GewO registriert und arbeitet ausschließlich im Auftrag der Mandantinnen und Mandanten. Für Finanzanlagen besteht zusätzlich die Erlaubnis nach § 34f GewO. Was das in der Praxis bedeutet – Anbietervergleich, offener Rechenweg, Betreuung im Leistungsfall –, beschreiben wir auf der Seite zur unabhängigen Versicherungsberatung in Berlin.
Was bedeutet „freier Finanzberater“ oder „freier Finanzmakler“?
Beide Begriffe sind gesetzlich nicht definiert – anders als Versicherungsmakler, Versicherungsvertreter (§ 59 VVG, § 34d GewO), Versicherungsberater (§ 34e GewO, Beratung gegen Honorar ohne Provision) und Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO). „Frei“ meint im Sprachgebrauch meist, dass die Person nicht angestellt ist, sondern selbstständig arbeitet, in der Regel als Versicherungsmakler oder als Handelsvertreter nach § 84 HGB für einen Vertrieb. Über die Anbieterbindung sagt das Wort nichts: Ein „freier“ Berater kann als Makler im Auftrag des Kunden eine hinreichende Zahl von Versicherern vergleichen (§ 60 VVG) oder als gebundener Vertreter die Produkte eines einzigen Hauses vermitteln.
So prüfen Sie, was dahintersteckt: Im Vermittlerregister (vermittlerregister.info) steht zu jeder Registernummer, ob die Person als Versicherungsmakler, Versicherungsvertreter mit Erlaubnis, gebundener Vertreter oder Versicherungsberater eingetragen ist. Diese Statusmitteilung muss Ihnen beim ersten Geschäftskontakt auch unaufgefordert vorgelegt werden (§ 15 VersVermV). Fragen Sie zusätzlich, wie die Beratung vergütet wird – Courtage vom Versicherer, Honorar vom Kunden oder beides – und auf welcher Grundlage die Produktauswahl erfolgt. Die Antworten auf diese drei Fragen sagen mehr über die Unabhängigkeit als jede Berufsbezeichnung.
Häufige Fragen
Ist ein Makler automatisch besser als ein Vertreter?
Nein. Beide können fachlich exzellent oder schwach sein. Der Unterschied ist die rechtliche Rolle: Nur der Makler ist verpflichtet, in Ihrem Interesse den Markt zu vergleichen und haftet Ihnen dafür.
Woran erkenne ich einen gebundenen Vertreter?
An der Statusmitteilung und am Registereintrag, der den Versicherer nennt, unter dessen Haftungsdach er arbeitet. Auch Visitenkarten und E-Mail-Signaturen müssen die Registrierungsnummer nennen.
Zahle ich beim Makler mehr?
Nein. Die Courtage ist in denselben Beitrag einkalkuliert wie die Provision beim Vertreter. Sie zahlen für denselben Tarif denselben Preis.
Kann ich meinen Vertrag später zu einem Makler übertragen?
Ja. Mit einem Maklermandat und einer Bestandsübertragung betreut der Makler bestehende Verträge weiter; die Verträge selbst ändern sich dadurch nicht.
Was ist ein Versicherungsberater?
Ein nach § 34d Abs. 2 GewO registrierter Berater, der nur gegen Honorar arbeitet und keine Vergütung vom Versicherer annehmen darf. Es gibt in Deutschland nur wenige hundert davon.
Beratung im Auftrag des Kunden
Wir vergleichen Anbieter, legen den Rechenweg offen und betreuen Sie auch im Leistungsfall – als registrierter Versicherungsmakler in Berlin.
Kostenloses Erstgespräch anfragenQuellen
- § 59 VVG (Begriffsbestimmungen), § 60 VVG (Beratungsgrundlage), § 61 VVG (Beratungs- und Dokumentationspflichten), § 63 VVG (Schadensersatzpflicht), § 70 VVG (Kenntnis des Versicherungsvertreters) – https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/
- § 34d GewO – Versicherungsvermittler, Versicherungsberater – https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__34d.html
- § 15 VersVermV – Statusbezogene Informationspflichten – https://www.gesetze-im-internet.de/versvermv_2018/__15.html
- BGH, Urteil vom 22.05.1985, IVa ZR 190/83 („Sachwalter-Urteil“)
- DIHK: Statistik Versicherungsvermittler, Stichtag 1. Januar 2026 (178.791 Registrierungen; 46.951 Makler; 27.152 Vertreter mit Erlaubnis; 98.307 gebundene Vertreter; 5.462 produktakzessorische Vertreter; 331 Versicherungsberater) – https://www.dihk.de/resource/blob/160432/875b047ac2b6598d089b5b4384fc3f33/recht-statistik-versicherungsvermittler-januar-2026-data.pdf
- Vermittlerregister der DIHK – https://www.vermittlerregister.info/
Dieser Beitrag wurde von der FaireFinanzen-Redaktion auf Grundlage der im Text genannten Primärquellen erstellt (Stand siehe oben). Redaktionell verantwortlich: Sven Chalupa, registrierter Versicherungsmakler (§ 34d Abs. 1 GewO) aus Berlin. Mehr über Sven Chalupa und das Team →
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